Es ist 23:40 Uhr, und mir fällt ein, dass ich morgen früh den Zählerstand melden muss. Ich weiß genau, was jetzt passiert: Ich nehme mir fest vor, daran zu denken. Und um 9:15 Uhr, mitten in einer Besprechung, fällt es mir wieder ein. Oder eben nicht.
Jahrelang habe ich versucht, das mit Disziplin zu lösen. Zettel, Kalender, fünf verschiedene Aufgaben-Apps. Das Problem war nie das Werkzeug. Das Problem war der Weg dorthin: App öffnen, richtige Liste suchen, Datum auswählen, Kategorie festlegen. Bis ich damit fertig war, war der Gedanke schon wieder weg, oder ich war in einer ganz anderen App gelandet.
Was sich geändert hat, ist nicht meine Disziplin. Es ist die Reibung. Heute spreche ich einen Satz in mein Handy, so unsortiert, wie er mir einfällt: „Morgen Zählerstand melden, ach und Oma zurückrufen, und was war das mit dem Elternabend?“ Eine KI macht daraus drei saubere Aufgaben, mit Uhrzeit, und fragt nach, welcher Elternabend gemeint ist.
Das klingt banal. Für einen Kopf, der ständig zwanzig Tabs offen hat, ist es das nicht. Jeder Gedanke, der nicht mehr festgehalten werden muss, ist Platz für den nächsten. In diesem Kapitel zeige ich dir, wie du dir so einen „Gedanken-Briefkasten“ in zehn Minuten einrichtest, und warum die wichtigste Regel dabei lautet: Er darf nie komplizierter sein als der Gedanke selbst.